Sonntag, 14. Januar 2018

Abriss und Kündigung

Auch nach dem Lutherjubiläum sind Thesen weiterhin attraktiv. Der Politikberater Erik Flügge hat fünf Thesen für ein echtes Comeback der Kirche formuliert und freut sich über jeden Kirchenabriss. Etwas vorschnell.


St. Michael Köln, Brüsseler Platz
von Norbert Bauer

Erik Flügge ist sich mit seiner Diagnose sicher: Depression. Gleich siebenmal teilt er sie seinem Patienten, nicht in einem vertrauensvollen Arztgespräch, sondern mit ganzer Wucht in aller Öffentlichkeit. Der Patient ist wie so häufig bei Flügge die katholische Kirche. Wer eine Diagnose erteilt, sollte auch eine Therapie vorschlagen können. Das kann der junge Politikberater auch. Sein Therapievorschlag: Kirchenabriss und Mitarbeiterkündigung.

Der Staub der unter Protest dem Braunkohleabbau geopferten Immenrather Doms ist noch nicht verweht, da freut sich Erik Flügge schon auf den nächsten Abriss. Denn Kirchen sind „Beton gewordene Depression“. Ein Großteil der Braunkohlegegner, die gegen den Abriss demonstrierten, sind sicherlich keine regelmäßigen Gottesdienstbesucher. Dennoch lag ihnen in die Kirche am Herzen, wie offensichtlich auch der wirtschaftsfreundlichen FAZ, bei der Zerstörung „ungeniert Gleichgültigkeit, Banausentum und Profitstreben herrschen“.