Montag, 26. September 2016

Achte Todsünde: Selbstgerechtigkeit

Foto & Trikot: Norbert Bauer
Die Entscheidung für einen Verein ist nie rational. Bei mir war es eine Mischung aus Begeisterung für Bernd Schuster, der enttäuschten Liebe zu einer Frau und die S-Bahn-Verbindung von Köln-Buchforst nach Leverkusen-Mitte. 


Von Norbert Bauer


Bruno Labbadia ist nicht mehr Trainer von Hamburg. Georg Bätzig neuer Bischof in Limburg. Die aktuellen Meldungen von kna und sid offenbaren die ein oder andere Gemeinsamkeit zwischen Bischofsstuhl und Trainerbank.
Wie z.B.: Manche Co-Trainer werden nie Cheftrainer – manche Weihbischöfe nie Ortsbischof. Oder auch: Trainer wechseln gerne zu berühmteren Vereinen - Bischöfe folgen auch gerne mal dem Ruf zum einem bedeutsameren Bistum: Tuchel wechselte von Mainz zum BVB – Woelki von Berlin nach Köln. Ein Entscheidender Unterschied bleibt jedoch: Trainer werden bei Erfolglosigkeit entlassen - Bischöfe nie. Sie haben vielmehr eine Jobgarantie bis mindestens 75.

Aber ich wollte ja nicht über die Erfolgsquoten von Bischöfen schreiben. Sondern über Fußball und Selbstgerechtigkeit, die ich gerne als achte Todsünde etablieren würde. Seitdem RB Leipzig in die 1.Fußball-Bundesliga aufgestiegen ist, baden viele Fans im warmen Wasser der Selbstgerechtigkeit. Letzte Woche organisierten die Fans vom HSV vor dem Spiel gegen Leipzig eine Demo und prangerten den Fußballkapitalismus von Red Bull an. Wohlgemerkt: Fans vom HSV, der selbst seit Jahren vom Konserven-Multi Kühne am Leben gehalten wird. Am Samstag blockierten in Köln FC-Anhänger den Spielerbus der Sachsen, und wahrscheinlich stellen nächste Woche Augsburg-Fans eine Puppenkiste in dem Mittelkreis, um den Anstoß zu verhindern. Die Schlagwörter sind immer dieselben: für Tradition und gegen Geld. 

Dienstag, 6. September 2016

Anders verfahren

Kardinal Marx hat als Bischof von Trier einen Priester weiter im Dienst gelassen, obwohl  gegen ihnen wegen sexuellen Missbrauch ermittelt wurde.

Ein Kommentar von Norbert Bauer


Der Barmherzige Samariter 2016 weitererzählt: die Erinnerung an den Raubüberfall quält das Opfer noch Jahre. Nicht nur die Gewalttat selbst, sondern auch die abgewendeten Blicke der Vorbeilaufenden bleiben in schmerzhafter Erinnerung. Er entschließt sich Strafanzeige zu stellen. Doch die Tat ist verjährt. Als weitere Jahre später den vorbeigelaufenen Priestern unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen wird, mögen die nicht recht sagen,  wer tatsächlich alles am Tatort vorbeigelaufen ist. Als aber Aufzeichnungen belegen, dass einige den schwer Verletzten haben dort liegen sehen, lässt der Oberste von ihnen durch einen Pressesprecher verlautbaren:
„Heute wird in einem solchen Fall anders verfahren.“
Unwahrscheinliche Pointe? 2016 eher nicht. Kardinal Marx hat als Bischof von Trier einen Priester, dem sexueller Missbrauch eines Jugendlichen vorgeworfen wurde, weiterhin im Amt gelassen ohne dem Vorwurf nachzugehen.  Mit dieser Tatsache Jahre später konfrontiert, lässt er genau diesen Satz durch seine Pressestelle raushauen. „Heute wird in einem solchen Fall anderes verfahren.“ Ich überlege, ob ich diesen Satz nicht den Kindern bei der nächsten Beichtvorbereitung mit auf den Weg gebe. Es ist schon merkwürdig: Spitzenvertreter einer Institution, die großen Wert darauf legt, dass schon Kinder ihr Handeln unter den Begriffen Schuld und Sünde reflektieren und betont, dass ohne Bekenntnis keine Vergebung möglich ist, flüchten sich in subjektlose, passive Satzkonstruktionen, wenn sie sich ihrer Verantwortung stellen sollten. Und das wohl ganz bewusst. Denn sie ahnen, wenn sie sich zu ihrem Fehlverhalten bekennen würden, wenn sie sich nicht hinter Passivformulierungen verstecken würden, sondern einfach mal ich sagen,  könnte dies auch persönliche Konsequenzen nach sich ziehen.