Mittwoch, 27. Juli 2016

Schweigen

Foto: pixabay
Das Aushalten meines eigenen Schweigens ist vielleicht ein Anfang, Gott

Von Peter Otten

Ich schreibe diesen Text einen Tag, nachdem in Saint-Etienne-du-Rouvray der Priester Jacques Hamel ermordet worden ist. Ich sitze am Küchentisch. Hier weht ein kühles Lüftchen. Im Arbeitszimmer ist es stickig. Draußen auf dem Balkon summen Bienen, während sie in einer Ranke, die sich an der Hauswand hinauf windet, Blütenstaubpäckchen zusammenklauben. Ich weiß nicht, wie die Pflanze heißt, nur dass sie im Spätsommer dunkelblaue Beeren austreibt, die sich im Herbst die Vögel holen werden

Für eine Zeitschrift muss ich bis zum Ende der Woche noch eine Kolumne schreiben, deswegen sitze ich hier. Aber zum ersten Mal bin ich stumm.

Montag, 18. Juli 2016

Déjà vu 2.0


Foto: KFM / pixelio.de
Keine einzige Lehre wurde geändert - und doch soll beim Sex nun alles anders sein? Beobachtungen zu Amoris laetitia

Von Prof. Norbert Lüdecke

1. Wieder verheiratete Geschiedene, denen es noch wichtig ist, sich ihre Lebensweise vom Papst erlauben zu lassen, und Priester, die ihm in kindlichem Gehorsam zu folgen haben, aber auch Studierende wollen im laufenden Deutungskampf um das neue Papstschreiben eines wissen: Was gilt? Vom Kirchenrechtler erwarten sie nicht dessen persönliche Option, sondern eine redliche analytische Deskription.

2. Zum Umgang mit Betroffenen hat der inzwischen heiliggesprochene Papst Johannes Paul II. noch im Jahr 2000 gegen milde kirchenrechtliche Interpretationen des c. 915 bekräftigen lassen: „Keine kirchliche Autorität“ könne „in irgendeinem Fall von [der] Pflicht des Kommunionspenders dispensieren [die Kommunion zu verweigern,] oder Direktiven erlassen, die dieser Pflicht widersprechen“ (Päpstlicher Interpretationsrat 2000). Wo Bischöfe dies versucht hatten, waren sie zuvor von der Glaubenskongregation zurückgepfiffen worden und hatten gehorcht. Warum dieser amtlich als unabänderlich angesehene Ausschluss Wiederverheirateter von der Kommunion?