Samstag, 9. September 2017

Besser als allein


Foto: Marco Verch / flickr.com
Das Schlimmste im Leben ist vielleicht das Alleinsein. Zu zweit zu sein sei besser, das sagt schon der biblische Prophet Kohelet. Es gibt aber keine Garantie dafür, dass Menschen das ein Leben lang gelingt, obwohl sie sich das sehr wünschen.

Von Peter Otten

Als meine Mutter 50 wurde, schenkten wir ihr eine Fritteuse. Wir kauften sie wie alle Elektroartikel bei „Elektro Schmitter“ und ließen sie dort gleich mit einer schönen Schleife hübsch verpacken. Sie war ein runder Topf, wie ein kleiner Einkochkessel mit einem Stecker und einem Deckel. Sie hatte einen Schieberregler, mit dem man die Temperatur einstellen konnte. Der optimale Gargrad für verschiedene Lebensmittel war mit Hilfe kleiner Piktogramme aufgemalt: Ein Fisch benötigte eher eine mittlere Hitze, bei der Zubereitung von Pommes Frittes sollte man den Schieber bis zum Anschlag durchschieben.

Dienstag, 22. August 2017

Bei mir bist du schön


Screenshot: Peter Otten
Wenn alles seine Zeit hat, ist alles auch irgendwann vorbei. Was aber soll das für einen Sinn machen? Vielleicht liegt der Schlüssel darin: Gott nimmt die Angst vor der Vergänglichkeit des Vergänglichen. Eine Traueransprache zu Kohelet, 3, 1-14.

Von Peter Otten

Der Trauer Raum geben, Trost spenden, sich erinnern, Abschied nehmen und Hoffnung haben – das ist eine kulturelle Leistung. Es gibt unterschiedliche Arten, das zu tun. Sich zum Beispiel im Rahmen eines Gottesdienstes zu versammeln ist eine mögliche und gute Form. Trauer zu empfinden und zuzulassen – damit geht jeder Mensch anders um. Wie auch immer aber ein Mensch damit umgeht, eines bleibt doch gleich: Wenn ein Mensch geht, bleiben andere Menschen anders zurück. Wenn ein Mensch geht, geht immer auch ein Stück der Identität von denen, die bleiben. Wenn die Mutter, die Großmutter geht, gehen die Wurzeln, aus der das Kind, das Enkelkind lebt. Und die eigene Rolle als Sohn oder Enkel verändert sich.

Freitag, 30. Juni 2017

Kirche für alle

Nicht jede Veränderung gelingt mit einem Nebensatz während eines Brigitte - Interviews. Seit Jahren ringt die katholische Kirche in Deutschland um eine Neuausrichtung der Pastoral. Eine vermeintlich neoliberale Dienstleistungskirche soll in eine "Kirche für alle" transformiert werden. Gerade das könnte aber im neoliberalen Paradies enden.

Von Norbert Bauer


Während die Bundeskanzlerin durch Gewissensentscheidung die „Ehe für alle“ ermöglicht, plädieren die Bischöfe für eine „Kirche für alle“: „Wir können und dürfen es uns also gar nicht mehr erlauben, dieses Kirche sein an einige wenige zu delegieren.“ Die Befürworter der „Ehe für alle“ betonen, dass sie keine Abwertung der traditionellen Ehe sei. Das Plädoyer für eine neue Form der Kirche, kommt jedoch nicht ohne den Jargon der Abwertung aus.

Dienstag, 20. Juni 2017

Zwei kreiselnde Kreise


Bruno Laskas Vortragekreuz. Foto: Peter Otten
Mehr Menschen als man denkt werden bestattet, ohne das jemand trauert und zum Grab mitgeht. Was kann man einem Menschen sagen, dem man zum ersten Mal an seinem Grab begegnet? Ein Versuch von heute Morgen.

Von Peter Otten

Wir haben uns nicht gekannt.

Ich weiß Ihren Namen: Martha. Geboren wurden Sie als Martha B. Sie waren verheiratet, aber Ihr Mann ist schon gestorben. Das weiß ich aus dem Formular. Das Formular heißt: Anmeldung einer Bestattung.

Und auch das: Am 30. Oktober 1928 wurden Sie geboren. Das war das Jahr, in dem Erich Maria Remarque seinen Roman „Im Westen nichts Neues“ veröffentlichte. Im Sommer hatten in Amsterdam die IX. Olympischen Spiele der Neuzeit stattgefunden.

Am 7. März dieses Jahres sind Sie gestorben. Eine Woche nach Karneval. Ich weiß nicht, ob Sie einsam waren oder Angst hatten, als der Tod kam. Ich weiß nicht, ob Sie allein waren. Ich wünsche es Ihnen nicht. Ich weiß nicht, ob es jemanden gab, der an Sie dachte. Das wiederum wünsche ich Ihnen sehr.

Sonntag, 18. Juni 2017

Nicht bei mir

Der Ramadan-Friedensmarsch konnte nicht so viele Teilnehmer mobilisieren wie erwartetet. Die Häme ist jetzt groß. Nicht bei mir.

Ein Kommentar von Norbert Bauer

Als ich kurz vor 13.00 Uhr den beinahe leeren Heumarkt in Köln sah, wusste ich schon, dass nicht nur der grinsend rumlaufende Hendrik M. Broder sich die Hände reiben würde. Schon bald tauchten bei Facebook die ersten selbstgerechten „Wusste ich es doch“-Sprüche auf und die Kommentare in den Zeitungen und Radio zogen eine enttäuschende Bilanz.

Dabei hatten an selber Stelle vor wenigen Wochen andere Organisatoren ähnliches erlebt, ohne dass sie dafür an den Pranger gestellt wurden. Für den AfD - Parteitag wurde mit einem monatelangen Vorlauf auf breiter Basis in Köln Protest organisiert. Auch die Kirchen waren in großer ökumenischer Verbundenheit dabei. Mit dem nicht gerade geschichtsbewussten Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“ luden sie zu einem politischen Nachtgebet ein. Die Medien berichteten ausführlich im Vorfeld, die Verbände mobilisierten ihre Mitglieder,  jede Kirchengemeinde war informiert. Trotzdem saßen mit mir nur ca. 80 weitere Christen in der viel zu großen Kirche. Meine Frau war die jüngste Beterin, ich der zweitjüngste. Aber am nächsten Tag war in keiner Zeitung die Schlagzeile zu lesen: “Politisches Nachtgebet ein Misserfolg“. Zur großen Demo am nächsten Tag wurden noch am Morgen 50000 Marschierer erwartet. Letztendlich tauchten nur 10000 auf. Dennoch wurde den Kölnern und Kölnerinnen nicht vorgeworfen, sich nicht ausreichend von der Afd abzugrenzen.  Die Muslime stehen nach der gestrigen Demo aber wieder unter dem Generalverdacht,  sich nicht genügend vom Terror zu distanzieren.
Dabei hilft schon ein Blick auf die Initiative und Organisation bei der Analyse, warum die Teilnehmerzahl hinter den Erwartungen zurückblieb.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Loss of Empathy

Loss of Empathy Foto: Sandra Jaeger
Was passiert, wenn nicht Theologen und Theologinnen sondern Designexperten für eine Woche das Sagen in der Kirche haben?  Es wird z.B. über Todsünde gesprochen.
Ein Praxisbericht über die Möglichkeit, Menschen Kirche anzubieten und Kirche neu zu denken.

von Janka Keimer und Norbert Bauer


„Füße nicht auf die Kniebank!“ „Altarraum nicht betreten!“ „Keine eigenen Kerzen anzünden!“ Solche oder ähnliche Verbotsschilder finden sich oft in unseren Kirchenräumen. An Verbotsschildern mangelt es in unseren Gotteshäusern nicht. Auch auf das Äußere muss der Kirchenbesucher achten. Männer dürfen keine Kopfbedeckung und kurze Hosen tragen und Frauen müssen darauf achten, dass die Schultern nicht frei sind. Für jede Regel mag es gute Gründe geben. Grundsätzlich vermitteln die kleinen und großen Hinweisschilder dem Besucher eine eindeutige Botschaft: „Du betrittst fremdes Terrain. Dies hier ist unsere Kirche, nicht Deine. Hausrecht haben wir – nicht Du!“

Die Pfarrgemeinde St. Gereon versucht mit dem Projekt „Art & Amen“ in der Kirche St. Michael eine andere Haltung zu vermitteln. Wir bieten diese Kirche im Belgischen Viertel mitten in Köln an. Wir bieten die Kirche den Menschen an, die Lust daran haben, diesen Kirchenraum zu ihrer Kirche zu machen und selbst ein Angebot zu machen.
Auf hervorragende Weise haben das Professoren und Studierende der Detmolder Schule für Architektur an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe im Januar 2017 umgesetzt. Im Rahmen der Passagen, einem Designevent zur Möbelmesse in Köln, wurde die Kirche St. Michael zu einem anderen Ort und hat gerade so ihre Bestimmung neu entfaltet.
Vorausgegangen war eine intensive Kommunikation zwischen Köln und Detmold. Bei drei Ortsterminen erkundeten die Studenten den Raum, fotografierten Details, machten Tonproben. Bei diesen Begehungen entwickelten sich intensive Gespräche über die Möglichkeiten und Grenzen, einen Kirchenraum temporär zu verändern, die auch für uns, die wir diesen Kirchenraum fast täglich nutzen, neue Fragestellungen mit sich brachten.
Nach vier Monaten Planungszeit startete das siebentägige Festival „amkastenrasten“, das durch die Kategorien „Sound, Space, Image“ geprägt war.

Dienstag, 30. Mai 2017

Heilsgewissheit braucht Verräter

Foto: Norbert Bauer
Mein persönlicher Kirchentag – mit viel Spaß, aber ohne Kabarett.

Von Norbert Bauer

Kirchentag ist wenn erwachsene Menschen abends den Wise Guys, der A-Capella-Fassbrause aus Köln zujubeln, früh morgens aufstehen, um auf keinem Fall Eckhard von Hirschhausen, den „Justin Biber für Erwachsene“ (taz) mit seiner Bibelarbeit zu verpassen und dann enttäuscht sind, wenn sie anschließend um 11.00 Uhr vor der schon lange überfüllten Messehalle 21a stehen, in der das Kabarett „Djihad in Wittenberg“ aufgeführt wird. Die Enttäuschung ist dann noch größer, wenn sie sich anschließend auch beim Kabarett „Zwei Päpste für ein Halleluja“ nicht auf die Schenkel klopfen können, denn auch hier versperrt ein Pfadfinder mit einem „Halle überfüllt“ – Schild den Zugang. Ich habe keine der über 50 Kabarettveranstaltungen besucht, obwohl sie rund um die Uhr am Kirchentag angeboten wurden. Trotzdem hatte ich beim Kirchentag meinen Spaß und konnte oft genug lachen. Z.B. über meinen Witz: Wie nennt man eine Veranstaltung, bei der ein evangelischer Journalist fragt und ein katholischer Prälat antwortet?